Selfie by Lilian Bassman ©Lilian Bassman

Tribute to: Lillian Bassman

„Bis in die vierziger Jahre waren Frauen nur Schmuckstücke des Mannes, sie unterhielten und kochten. Dagegen habe ich mich leidenschaftlich aufgelehnt”, sagte Lillian Bassman einmal. Treffender hätte man ihr Schaffen während  1940er – 60er Jahre wohl nicht beschreiben können. Als Tochter von russischen Einwanderern wuchs Bassman in Brooklyn, New York, auf. Bereits mit 15 zog sie mit ihrem späteren Mann Paul Himmel, ebenfalls Fotograf, zusammen. Anfang der 1940er Jahre arbeitete sie als Artdirectorin für Junior Bazaar und später bei Harper’s Bazaar, wo sie die Karriere von Fotografen wie Richard Avedon, Robert Frank, Louis Faurer und Arnold Newman förderte.

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Unter Anleitung des russischen Emigranten Alexey Brodovitch begann sie selbst zu fotografieren, vornehmlich in Schwarz-Weiß, und veröffentlichte ihre Werke zum größten Teil in Harper’s Bazaar zwischen 1950 und 1965. Eine Besonderheit ihrer Fotografien ist, dass die Bilder relativ unscharf sind und bis an die Grenze der Unkenntlichkeit gehen. “Beeindruckende Eleganz und Stilsicherheit prägten das Werk von Lillian Bassman” – so würdigten die Hamburger Deichtorhallen in einer Kondolenz-Mitteilung ihr Lebenswerk. Erstaunlich waren auch die Frauen, welche die Grande Dame der Fotografie für ihre Bilder auswählte: “langgliedrige, schwanengleiche Ikonen der Weiblichkeit”, für die damalige Zeit völlig aussergewöhnlich. Wollte sie doch zuerst Tänzerin werden, so verlor sie  nie ihren Blick für die Anmut weiblicher Bewegungen, welche in ihren Worten “usually passes unnoticed in everyday life”.

© Lilian Bassman
Ihre Bildsprache revolutionierte die Fashionfotos; inspiriert von Malern wie Hans Memling und El Greco interessierte sie sich für die Aura der Kleider, für den Ausdruck der Models: “Ein Fotograf muss das Model verstehen lernen, die Art, wie der Hals auf den Schultern sitzt, wie sich ein Bein bewegt”, sagte sie der “Vogue”.

Ihr Freund, der berühmte Fotograf Richard Avedon, erklärte einmal: „Was sie macht, hat eine geradezu magische Kraft. In der Geschichte der Fotografie ist es niemand anderem gelungen, diesen atemberaubenden Moment zwischen der Erscheinung der Dinge und ihrem Verschwinden sichtbar zu machen.“

 

Copyright Lilian Bassman
Als die Frauenbewegung Ende der 60erJahre in vollem Gang war, verlor Bassman ihren Antrieb, da sich nun auch die Gegebenheiten änderten: “Die Models wurden jünger, und damit nahm auch ihr Ausdruck ab: Ich habe mich gelangweilt und gekündigt.” Dies zeigt, wie wichtig Bassman der Ausdruck ihrer Bilder war und dass sie sich niemals für ihre Kunst verkauft hätte, eine Charaktereigenschaft, wie man sie heute nur noch äußerst selten findet.
In diesem Sinne sagen wir Hut ab, Madame Bassman, in admiring and loving memory of one of the greatest photographers of all time!